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Die Zukunft des Automobils versteckt Audi in einer unscheinbaren, gut
abgeschirmten Halle am Ingolstädter Stadtrand.

Davor gibt es riesige Parkflächen, und darin will Audi zeigen, was Entwickler erdacht haben für die Zeit, in der die Menschen nicht mehr die Hand am Steuer haben. Herausgekommen in dieser Designstudie ist ein Ding, das aussieht wie eine Katamaranjacht, bei der die Konstrukteure Mast und Segel vergessen haben. Der Innenraum erinnert eher an eine geräumige Kajüte als an einen Audi. Lenkrad, Mittelkonsole und Armaturenbrett sucht man vergebens.

Aber die Tüftler sind überzeugt: Künftige Roboterautos, die ihre Passagiere auch auf langen Strecken vollautomatisch chauffieren, könnten so aussehen. Im Grunde eine Art selbstfahrende Freizeit- oder Business-Lounge, die in ihren Außenmaßen kaum größer sein dürfte als ein heutiger VW-Bus. Die autonomen Fahrzeuge werden dann per Elektroantrieb über Autobahnen, Landstraßen oder durch Innenstädte surren: sauber, leise und womöglich ganz ohne Staus.

Eine Probefahrt ist mit der “Design Vision”, die Audis Modellbauer in Handarbeit zusammengebastelt haben, noch nicht möglich. Räder, Batterien, Elektromotor und andere Antriebsteile fehlen. “Wir wollen zunächst den Raumeindruck in so einem Fahrzeug, das innen kaum noch an einen herkömmlichen Pkw erinnert, erlebbar machen”, sagt Enzo Rothfuss, Leiter “Interieur Design” bei Audi. Das Fahren mit Autopilot werde aber kommen, “vielleicht schneller, als viele denken”, sagt Rothfuss, der das über fünf Meter lange Konzeptauto mit seinem Team entwickelt und die Innenraum-Details ausgetüftelt hat. Noch hält Audi das “Gefährt”, das mit seinem Styling in einen Science-Fiction-Film passen würde, vor der breiten Öffentlichkeit geheim. Um es vor neugierigen Blicken abzuschirmen, haben es die Designer in einer Halle versteckt, in der Audi sonst Produktfotos knipsen lässt.

Das loungeartige Interieur wurde auf Komfort getrimmt: Neben dem großflächigen Seitenfenster montierten die Modellbauer einen Tisch mit zwei Sesseln sowie eine gepolsterte Sitzbank ins Auto. Sie lässt sich mit einem Handgriff in eine Liegefläche verwandeln. Die Sitze werden von Magnetspulen festgehalten und können bei Bedarf leicht verschoben werden. Klassische Sitzschienen gibt es hier nicht mehr. Mittels einer Klappe hinter den Sitzen können die Mitfahrer ihre Utensilien während der Fahrt aus dem Kofferraum holen. Zur Reinigung des Holzbodens braucht es keinen Schwamm: Ein im Boden eingebauter Vibrator löst zunächst den Schmutz, der dann automatisch abgesaugt wird.

Das Arrangement der Sitze erinnert ein wenig an die Businessclass im Flugzeug. Auch die Angebote zum Zeitvertreib: Die Scheiben sollen künftig als transparente Multimedia-Displays dienen. Per Fingerdruck, so die Idee, können die Passagiere zum Beispiel Zwischenstopps planen oder Spielfilme anschauen. Mittels Augmented-Reality-Technologie lassen sich Informationen etwa zur Fahrtroute oder über die Ortschaften und Gebäude entlang der Strecke abrufen. Die für Multimedia und Augmented Reality benötigten Teile sind nicht immer in die Designstudie eingebaut worden. Eine separat aufgestellte Demonstrationsanlage zeigt aber schon, wie das Zusammenspiel der Computertechnik mit den zahlreichen Sensoren und diversen Kameras in einem späteren Serienmodell funktionieren könnte.



Source : http://www.zeit.de/2017/29/autonomes-fahren-audi-design-innenraum

Auteur : ZEIT ONLINE: Unternehmen – Josef Stelzer

Date de parution : 16 July 2017 | 4:36 pm