Harriet Herbig-Matten: “Der ‘Tatort’ bereitet mir manchmal Albträume”

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An meine Träume erinnere ich mich eher selten. Nach dem Aufwachen sind sie manchmal noch da, aber dann vergesse ich sie schnell wieder. Die meisten meiner Träume sind eher wirr und ergeben für mich keinen Sinn. An einen Traum, den ich als kleines Mädchen häufig geträumt habe, erinnere ich mich allerdings gut. Ich war fünf oder sechs Jahre alt, und meine Mutter hat mir vor dem Einschlafen oft Märchen vorgelesen,
Hänsel und Gretel
mochte ich besonders gern. Danach habe ich immer wieder geträumt, dass ich in das Hexenhaus gerate und die Hexe mich in den Ofen stecken will. Sehr gruselig. Heute bereitet mir der
Tatort
manchmal Albträume – und was da gezeigt wird, kann ja tatsächlich passieren. Deshalb schaue ich mir das nicht oft an.

Früher wollte ich Lehrerin werden, dazu kam dann irgendwann der Traum, Schauspielerin zu werden – und dieser Traum hat sich durchgesetzt. Zukunftsträume spielen aber in meinem Leben ansonsten keine große Rolle. Ich verbringe nicht viel Zeit damit, darüber nachzudenken, was ich irgendwann einmal haben oder erreichen möchte, ich habe keinen Langzeitplan. Ich bin ja auch erst 13 Jahre alt. Ich möchte Abitur machen und dann Schauspiel studieren, mal sehen, ob das was wird. Es hat doch gar keinen Sinn, jetzt schon Zukunftspläne zu schmieden. Es kann ja noch so viel passieren, alles kann sich ändern.

Eine Sache, von der ich träume, ist eine andere Art von Schule. Ich gehe in die achte Klasse, bin also mittendrin in meiner Gymnasialzeit. Wenn ich nach Hause komme, muss ich mich immer gleich an den Schreibtisch setzen und lernen. Ich wünschte mir, die Schule wäre etwas entspannter. Bald wird ja in Bayern das 13. Schuljahr wieder eingeführt, leider habe ich dann nichts mehr davon. Ich würde sehr, sehr gerne ein Jahr länger zur Schule gehen und dafür etwas mehr Freizeit haben und keinen Unterricht am Nachmittag und nicht mehr jeden Tag nach der Schule stundenlang lernen müssen. Das ist so stressig! Und ich würde viel lieber an spannenden Projekten arbeiten, kreativ sein und Dinge lernen, die mir Spaß machen, als mich ständig auf Tests vorbereiten zu müssen und Zeug in meinen Kopf zu quetschen, das ich nach dem Abitur garantiert gleich wieder vergesse.

Trotz allem versuche ich, meine Schulzeit zu genießen. Meine drei Geschwister sind alle älter als ich und mit der Schule schon fertig – und sie sagen mir immer wieder, dass sie ihre Schulzeit vermissen und dass das eine der spannendsten und schönsten Zeiten im Leben sei. Wenn man drinsteckt, kann man sich das kaum vorstellen, man träumt von der Zeit danach und denkt: “Wenn ich aus der Schule raus bin, kann ich endlich machen, was ich will.” Aber ich sehe ja an meinen Geschwistern, dass das nicht stimmt – man muss studieren, Geld verdienen, es wird nicht weniger stressig. Zumindest treffe ich jetzt jeden Tag meine Freunde, kann abends an den See gehen und an den Wochenenden Tennis spielen.

Lehrerin möchte ich allerdings nicht mehr werden. Nach dem Abitur reicht es mir mit der Schule.


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Source : http://www.zeit.de/zeit-magazin/2017/29/harriet-herbig-matten-traum

Auteur : ZEIT ONLINE: leben – Jörg Böckem

Date de parution : 16 July 2017 | 5:35 pm